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A UNSER SPROCHE

 

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Mit 'n Puppmwaajnl

Mer hoann de Gruße und 'n Klenn,
zwee Kinder misstn abm senn.
Se spieln und zankn 'ch o minander,
und noa woaas, ees is ne wie 's ander.
Is Maajdl hoat oack seine Puppe
'n ganzn liebm Tag an Kuppe.
Se lässt se quaatschn, tutt se stängln
redd mit 'n Pippl wie mit Engln.
Se stuppt 'r 'sch Huttl rei as Guschl
und lus giht 's Boalgern und Gehuschl.
Se kledd se oaa, se zoigt se aus
und mit 'n Puppmwoajn gitt 's raus.
Dr Junge, dar tutt goar ne pippln,
a hoat 's mit Lammln und mit Hippln,
a tutt 'ch de Kuhmuhzl beguckn
und fittert Bartoatze 'n Nuckn.
Oan liebstn stänglt 'r sei Katzl,
und wenn 'ch 's ne sah, do krigt 's a Schmatzl.
Is unse Gruße ne derheeme,
do schnoappt 'r 'n Puppmwoajn, dar Kleene.
A schmesst de Puppe eefach raus
und fährt sei Miezekatzl aus.

Hans Klecker, Obercunnersdorf, Zittau

Puppmwaajnl, Puppmwoajn: Puppenwagen;
quaatschn: quietschen, Bauchlaute von sich geben;
stängln: auf den Arm nehmen, herumtragen;
Pippl: Püppchen;
Huttl: Schnuller;
boalgern: streicheln, hätscheln, Zärtlichkeiten austauschen;
kledd: kleidet;
zoigt: zieht;
pippln: mit einem Püppchen spielen;
Hippln: kleinen Ziegen, Zickel;
Kuhmuhzl (Kindersprache): Kühe;
Bartoatze: Bärenklau (Pflanze);
Nuckn: Kaninchen

(Sächsische Zeitung - Zittauer Ausgabe vom 16./17.11.2019)


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A goarschtcher Spoaziergangk

Gih 'ch Sunntch mit menner Froon spoaziern,
muss 'ch immer oartch sein und poariern.
Se koann oack brammln, mauln und gackern
und hoat a err Tur woaas zu schnackern.
Dr kaale Wind pfefft im de Backn
und zerrt is Schaultichl vun Nackn.
Und is a Steenl goar an Loaatschn,
do bleibt se stihn, fÀngt oaa zu noaatschn.
Se stulpert ieber 'n Wandersteckn
und schlÀtt noa hie, 's is zun Verreckn.
Dr Knieschuner rutscht uff de Woadn,
a billcher Mist tutt immer schoadn.
Se krigt zerletzt noa steife Finger,
de Handschgn toogn nischt, die Dinger.
Ba su ann Water muckt de Blose,
poaar Treppl gihn schunn a de Hose.
Nu will se imdrÀhn, meine Beste,
do macht 's GedÀrme noa Muleste.
Mer roasn heem wie a poaar Oaffm,
is hoalbe Durf tutt uns begoaffm.
De Frooe blÀkt vun Hitteluche:
„lech bleib derheeme kummde Woche!"

Johannes Bielig

a err Tur: in einer Tour, andauernd
Schaultichl: Schal
Schlatt: schlÀgt, fÀllt
Handschgn: Handschuhe
Muleste: Beschwerde, Schererei
vun Hitteluche: vom Klo

(Sächsische Zeitung - Zittauer Ausgabe vom 26./27.10.2019)


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Nubbersch Äppl

„Heute is is Water schiene",
soit zun Bruder de Soabine.
„du, dr Nubber is ne haußn,
mir gihn rieber Äppl mausn."
Wie se derno hubm sitzn und de Äppl tun stiebitzn,
kimmt dr Nubber aus 'n Haus
mit ann Dunnerwater raus.
Wie a Irrcher tutt'r tittn
und verlist 'n de Levitn.
Derno gitt 'r rim zun Voater
vu dan zween und macht Theoater: „Deine beedn grußn Steppl
frassn groade meine Äppl!"
„Zwee-e oack ?", flucht Voater Meier,
- „wu 'ch doa dreie hoa, zun Geier!
Hoa 'n uff 'm Waajg gegan,
doaaß se sulln 'n Klenn mitnahm!"

Hans-Rainer Hensel, Friedersdorf

hubm: hier oben
Irrcher: Irrer, VerrĂŒckter
tittn: tĂŒten, schreien
de Levitn verlasn: zusammenstauchen, mit jemandem schimpfen
gegan: gegeben
'n Klenn: den kleinen Bruder

(Sächsische Zeitung - Zittauer Ausgabe vom 05./06.10.2019)


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Nubbersch rutes HĂ€usl

„Im Gutts Willn, Koarle, wie hoast 'n du dei Haus oaamoln lussn! Is Imgebinde rut, de Boalkn rut. Wenn 'ch zu dir rieber gucke, tun mer glei de Oogn wih. Die diche feuerrute Foarbe poasst zu kenn ImgebindehĂ€usl und glei goar ne a unser Durf. Scham dch oack an Hoals rei! Do wird dr wull baale dr Denkmolschutz uff de Bude steign!"
„Nu nee, mei HĂ€usl muss as Ooge stechn. Ees mit braun Imgebinde und weißn Fanstern hoat a jeder an DĂŒrfe, lech will wissn, woaas meine is", meent Koarle druf.
„Dei HĂ€usl is anne aale Hurns'che, fuffzch Juhre is nischt mih droaa gemacht wurn. Nu guck oacke, wie vill Schiefern fahln! Vu denn windflieglchn Zaume wull mer goar ne irscht rĂ€dn. Jede zweete Stachete is o zun Teifl."
„Aber die rute Foarbe resst oalls wieder raus. Wenn 'ch aus 'n Kraatschn kumm und a Luder geloadd hoa, brauch 'ch ne lange mei HĂ€usl suchn. Wenn 'ch rut sah, weeß 'ch, iech bie derheeme."

Karin Renger, Spitzkunnersdorf, Neueibau
Hurns'che: altes, verkommenes Haus;
wind-flieglch: windschief, instabil;
Stachete: Zaunlatte;
Kraatschn: Kretscham (GaststÀtte)

(Sächsische Zeitung - Zittauer Ausgabe, 2019)


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De Ardachse

Wenn enner uff 'm Trichter kÀm,
'ch de nietche Zeit und Ruhe nÀhm,
und 'ch amol tÀt senn Kupp zerbrechn
im 'ch 's richtche Fleckl auszerechn
uff dan mer find, doaas Ploangeviert,
wu ees de Ardachse oabschmiert,
do tÀt 'r 'sch rausfinn, ganz gewiss,
doaaß doaas ba uns a Barnstoadt is!

Und sumit wurde festgelÀt,
doaaß 'ch durt de Walt im Moarchtburn drĂ€ht.
Dermit 's gutt leeft und nischt tutt ruhn,
do braucht 's a poaar die oabschmÀhrn tun.
Dr Harrgutt, dar de Walt gebaut,
hoat uff de Barnstaadler vertraut,
weil 'ch durt de Karln zu sichn Frogn
su wie jeds weeß, oan bestn toogn.

Se stihn poareet ba Tag und Nacht
und gan gutt uff de Achse acht.
Ünd wellt dr Teifl kumm, se huln,
se tÀtn dan 'n Oarsch versuhln.
Wenn 's schlaajchte leiert im a Ringk,
laut quietscht und quoarrt doaas dichtsche Dingk,
foast troige leeft und runksn tutt,
wird Äl zun SchmĂ€hrn anoochgeschutt.

Groad frisch geschmÀhrt, do bleibt nischt stihn
und doaas sull lange noa su gihn,
denn woaas wÀr 'sch fer a darber Schlag,
wenn doa amol a enn schinn Tag
de Barnstaadler an Ausstand trÀtn,
und 's huche SchmÀhroamt niederlÀtn,
do gĂ€b 's a grußes Ungedeihe,
oalls uff dr Walt kÀm aus dr Reihe,

dr Waltnseeger, dar blieb stihn,
kee eenzches Blieml tÀt mih blihn,
Dr Mond oan Himml und de Starne,
die schiene finkln a dr Farne,
die macht 'n ihr Laternl aus,
harrjemerschnee, war doaas a Graus!

Drum Barnstaadler hoat immer Lust
zun AchseschmÀhrn, doaas die ne rust,
'sunst bleibt de Walt amende stihn
und 's tÀte oalls zun Teifl gihn.

Roland Rolle, Dittelsdorf

Ploangeviert: viereckige FlÀche
Moarchtburn: Marktbrunnen
Barnstaadler: BernstÀdter
Frogn: Fragen
poareet: parat, bereit
im a Ringk: im Kreis herum
quoarrt: knarrt
doaas dichtsche: dieses
runksn: stoßend, ungleichmĂ€ĂŸig bewegen
anoochgeschutt: nachgeschĂŒttet
Ungedeihe: Schaden, UnglĂŒck
herrjemerschnee: Ausruf des Entsetzens
amende: vielleicht

(Sächsische Zeitung - Zittauer Ausgabe, 2019)


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A Dunnerwater

De Mia gitt mit dr Grußemutter spoaziern.
Uff eemol soit 's Maajdl: "Omi, guck oack amol, su anne schiene Bliemlwiese! Do pflĂŒck 'ch a StrĂ€uchl fer de Mutti."
"Nu gutt", meent de Grußemutter, "aber Moargeritn ruppst de keene oab, die stinkn wie Kase. Doasterwaajgn warn se o Kaseblieml geheeßn. Luss oack o de Paajchblieml stihn! lech will ne, doaaß de Pech hoast und amende mit 'n Trietruller oaafĂ€hrscht.
De Gewitterblieml tĂ€t 'ch o ne nahm, wenn iech du wĂ€re, do gibbt 's a Dunnerwater." "Doaas gibbst ba uns baale jedn Tag", soit 's Enklmaajdl und gickerte, "immer wenn 'ch ,Scheiße' soi."

Karin Renger, Spitzkunnersdorf, Neueibau

pflĂŒck 'ch: pflĂŒcke ich
StrĂ€uchl: StrĂ€ußchen
doasterwaajgn: deshalb
Kaseblieml: KĂ€seblĂŒmchen,
Margeriten Paajchblieml: Pechblumen, Pechnelken
gickerte: kicherte

(Sächsische Zeitung - Zittauer Ausgabe, 2019)


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Wenn de Hosn ne mieh poassn

Dr Plumpmproft is bissl dicke,
de Frooe macht 'n glei zer Micke
und pfuzt: „Du aaler Frasssaak, du,
de Hosn gihn schunn ne mih zu,
du wirscht noa aus 'n NĂ€htn ploatzn,
nee, frieß ne goar su gruße Boatzn!"

„Hoast raajcht", tutt Plumpmproftl brumm:
„Glei murne wird woaas undernumm!"
„lech wisste woaas", rufft seine Liese,
„du krigst acht Tage oack Gemiese!"
„Do fĂ€llt mer schunn woaas Bessersch ei",
plauzt unser Dupplzentner rei.

„Woaas Bessersch wĂ€re Woasser trinkn
und o kee Bier huln ba dr Hinkn."
„Nee, Frooe, tu dch an Hoals reischam,
do koann 'ch mer glei is Labm nahm!"
„Und Spurt, dar tat 'r o ne schoadn,
Saakhuppm, Bratlfoahrn und Boadn,

o Fansterputzn, Leineziehn
und mit dr Froon zer Muhsik gihn!"
„Nee, Liesl, do muss 'ch aber lachn,
iech weeß o itze, woaas mer machn",
verkindcht poarfurrsch dr Plumpmproft,
„Poaar neue Hosn warn 'ch gekooft!"

Hans Klecker, Obercunnersdorf, Zittau

pfuzt: faucht
Plumpmproft: ein Mann mit Familiennamen Proft, der Wasser pumpt

(Sächsische Zeitung - Zittauer Ausgabe, 02./03. 02. 2019)


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Welfe uff'm Kupper

Harrmoann is mit senn PilzsĂ€ckl an Kupperbusche underwaajgs. Stoatts Pilze hoat 'r Wurzln an Sacke. Do kimmt 'n Rainer, woaas sei Schitznbruder is, a de Quare. A dr Hand hoat 'r ann grußn Knittl. „Tach, Rainer", soit Harrmoann, „Willst de enn derschloin mit dan dickn Steckn?"
„Luss dch grissn", meent Rainer, „hoast de 's noa ne gehirrt? Welfe senn an Kupperbusche. Unser Jaajger mit 'n Franz-Joseph-Boarte sull uff Schweine gelauert hoann. Und weeß dr Teifl, do senn uff eemol zwee Welfe azugekumm! Die dichte neue Autoboahne is 'n egoal gewast. Se senn eefach raus aus dan Kieferndicktche und zu uns riebergeloofm, wu de schinn Buchn stihn." „Richtch hoann se 's gemacht. Verdenkn koannst 'n 's ne!"
„Nu wird 's aber fer 'sch Maajdl mit dan rutn KĂ€ppl ne groade eefacher, de Oma besuchn zu gihn. Und o de Pilzsucher, Heedlbeerpflucker und woaas noa su an Busche rimjaagert warrn Moaleste hoann."
„Im doaas RutkĂ€ppl macht dr oack keene Surgn und glei goar ne im de Grußmutter. De Welfe finn ba uns su vill zu frassn, do warrn se wull de aale Oma ne miegn. Und de geschoitn Leute a Draasn soin, de Welfe tun 'n Menschn nischt, o ne 'n RutkĂ€ppl."
„Do wull mer oack huffm, doaaß se raajcht hoann. lech tĂ€te mei Maajdl ne oalleene an Buhsch schickn. Du kennst doa doaas Sprichl: Himml, Oarsch und Zwirn, dr Mensch, dar koann 'ch o irrn!"

Hartmut Bartsch, Oderwitz

Kupper: Kottmar (Berg)
azugekumm: herzugekommen
die dichte: diese
Moaleste: Schererei, Unannehmlichkeit
Draasn: Dresden
Welfe: Wölfe
A dr Hand: in der Hand
RutkÀppl: RotkÀppchen
rimjaagert: herumlÀuft
raajcht hoann: Recht haben
Teifl: Teufel

(Sächsische Zeitung - Zittauer Ausgabe, 04./05. 08. 2018)


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Mei DDR-Boajttl

„Du, mit denn Stuffboajttl dohie,
du bist wull aus 'n Ustn",
so hieß is a dr Wendezeit.
Na und? - lech toat druf hustn.

De Frooe redde uff miech ei:
„Nimm anne Ploastetitte!
Sunst weeß a jeds, vu wu mer kumm,
su gih 'ch mit dir ne mitte."

Anu loof 'ch oack mit Boajttln rim
aus „Plastik" oder Ploaste.
Iech hoa a ganzes Schubbfach vul,
denn woaas de hoast, doaas hoast de.

Do pfuzte miech doa enner oaa:
„Du mit denn Ploastesacke!
Wenn dan a Fiesch zu frassn krigt,
verreckt, und doaas is Kacke!"

Iech hul menn Stuffboajttl azu
dermitte mach 'ch kenn Schnitzer,
fer die, die aus 'n Westn kumm,
bie 'ch itz a „UmweltschĂŒtzer".

Hans Klecker, Obercunnersdorf, Zittau
Boajttl: Beutel;
Ustn; Osten, DDR;
redde: redete;
Ploastetitte: PlastetĂŒte;
anu: nun, jetzt;
pfuzte; fauchte, schnurrte unfreundlich;
azu: herzu

(Sächsische Zeitung - Zittauer Ausgabe, 23./24.06.2018)


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Grußes Woasser

De Sunne braajglt heut schunn frih,
's wird sihre heeß oan Tage.
„Mer kriegn heut noa woaas uff 's Daach!",
verkindcht dr aale Schlage.

Su kimmt 's o, denn noa 'n Mittche glei
gibbt 's Sturmwind, Raajn und Schlußn,
die gruß wie Taubm-Eier senn
und die zerschloin de Rusn.

Is gruße Woasser schwemmt oalls furt,
noa jedn Blitz tutt 's krachn.
De Feuerwehr wetzt hie und har
und koann 's ne min dermachn.

Wie 's gruße Woasser is verbei
do sist 'n ganzn Schoadn.
De Pfitzn, die senn imbĂ€ndch gruß,
fer Kinder woaas zun Boadn!

War 'sch HĂ€usl a dr Baache hoat,
dar kimmt ne as Geschicke.
De BĂ€tl furt, dr Kaller vul,
is Road hÀngt a dr Bricke.

Und is de Bude ufgerÀumt,
sitt Heedermoann schunn murne
a neues bieses Water kumm
und oalls gitt lus vu vurne.

Johannes Bielig, Burkau
(ins OberlĂ€ndische ĂŒbertragen von Hans Klecker)

Grußes Woasser: Hochwasser
braajglt: brennt, brutzelt, brĂŒtet
Schlußn: Schloßen, große Hagelkörner
imbÀndch: unbÀndig, sehr
Heedermoann: Jörg Heidermann, Wetterfrosch vom mdr
bieses Water: Unwetter
(Sächsische Zeitung - Zittauer Ausgabe, 16./17.06.2018)


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An Frihjuhre

lech mark 's a menn Knuchn,
's Frihjuhr kimmt nu,
de Poantsche is furt und
de Leute sein fruh.

Verscheecht hoa 'ch 'n Grissgroam,
ba mir aus 'n Haus,
mit Bliemln an Gartl
sitt schinner oalls aus.

lech gih a de Sunne,
de Sunne tutt gutt,
mei Harze, doaas bumbert
und dinner wird 's Blutt.

Vu itz oaa wird wieder
oalls besser gemacht
und mit 'r schinn Nubbern
wird eftersch gelacht.

Kee KrÀcksn an Hoalse,
dr Schnuppm is weg,
im Surgn und Schmarzn,
do hÀrm 'ch miech ann Dreck.

Woaas gestern noa oalls miech
hoat imbÀndch gestiert,
is heute an Lute
und leeft wie geschmiert.

Roland Rolle, Dittelsdorf

Poantsche: Schneematsch, wÀssriger Schlamm
bumbert: schlÀgt hörbar, pocht
hĂ€rm 'ch miech: kĂŒmmere ich mich
imbÀndch: unbÀndig, sehr

Helga Kreutziger, Oderwitz

(Sächsische Zeitung - Zittauer Ausgabe, 17./18.03.2018)


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Dr verfrassne Fuchs

Dr Fuchs, dar lÀsst is Mausn ne.
lech hoa immer geducht, a is necksch uff Hihner- und GĂ€nsefleesch. Nee, nee, a stiht uff Schicher.
Die missn besundersch gutt schmeckn. Zun Obde, frih und sugoar oan Tage schleicht 'r im de HĂ€usl rim und schleppt de Trater furt, die ver dr Tiere stihn.
A frisst de Loaatschn oaa oder verteelt se a dr ganzn Nubberschoaft. Meine EilĂ€sohln frisst 'r aber ne oaa, die ver-buttlt 'r glei. lech denk mer baale waajgn menn Schweeßfissn. Su a Fuchs is eegn und hoat anne gude Noase.
De Nubbern lasn de ennzln Loaatschn uff und froin ieberoale rim, wan weche Trater gehiern. Do sein Goaartnloaatschn, Bratlloaatschn, Laderloaatschn, Stiefln und sugoar schwere Oarbeitsschicher mit derbei.
De Martl, woaas o anne Nubbern vu mir is, meent: „Wisst dr woaas? - Mer steckn de ganzn Loaatschn, die mer a unsn Gaartln finn, uff de Zaumstachetn. Do koann 'ch jeder seine Trater mit heem nahm."
„Lieber ne", soi 'ch, „zerletzt is Stanislaus aus dr Tschechei fixer oas wie mir."

Karin Renger, Spitzkunnersdorf, Neueibau

necksch: neckisch, scharf, erpicht
Schicher: Schuhe
eegn: eigen, eigensinnig, genau
Bratlloaatschn: Holzpantoffeln
Zaumstachetn: Zaunlatten
oas wie: als

(Sächsische Zeitung - Zittauer Ausgabe, 02./03.09.2017)


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Harrnpilze

Harrnpilze an Tageblatl,
immer grisser a jeds Stick.
Unse Mutter nimmt ihr Radl
und versucht an Buhsch ihr Glick.

leberoale stihn Koarretn
und si Àrgert 'ch grien und bloo,
oalle Ruhe, die is fleetn,
Moannsn tittn noa dr Froo.

Unse Mutter huscht zu 'n Ziele,
zu ann gudn Steenpilzfleck.
Woaas si sitt, sein moadsche Stiele
breet gestrÀht, do hoat si 'n Dreck

Imgestußn oalle Heete
und dernoochern druf geloatscht,
doaas macht Muttern keene Freede
und schunn hoat si lusgenoaatscht.

Nerne is si ganz oalleene,
tutt 'ch goar durch 's Gestrippe zwÀngn
Pilze find si aber keene,
oack vill Kroatzer tutt 'ch 'r brengn.

Spinnewabm im di Gusche,
und o Mickn ni zu knoapp
hungerch woartn di an Busche
brengn di Mutter vulld uff Troapp.

Rimgekruchn glei zwee Stundn,
und an Kirbl hoat si nischt,
hoat is Zifferbloat zerschundn,
und ann Hulzbook noa derwischt.

„Oab und heem", soat 'ch do di Gude,
schwitzn tutt si wie a Vieh,
's langt ne irscht zun Obmbrute,
oack de Knuchn tun 'r wih.

Odersch steigt si nu uff 's Radl
und si soat 'ch: „Ees weeß 'ch gewiss,
doass doaas Bild an Tageblatl
noa vun letztn Juhre is."

Dieter Messerschmidt, Eckartsberg

Harrnpilze: Herrenpilze, Steinpilze
Tageblatl: Tageblatt, Tageszeitung
Heete: HĂ€upter, Kappen, Kuppen
nerne: nirgends
vulld: vollends, völlig
Zifferbloat: Zifferblatt, Gesicht
odersch: verdrießlich
soat 'ch (soit 'ch): sagt zu sich

(Sächsische Zeitung - Zittauer Ausgabe, 28./29.07.2017)


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Uffm Kutschbucke

De Guste und dr kleene Max,
doaas woar a Liebespoaar.
Und wenn se o irscht sechse woarn,
„Mer heiroatn, nu kloar!"

Se spieltn garne blinde Kuh
und moanchmol Kastlhuppm,
Verstecker, Hoascher, Reefmtreim
und moanchmol mit 'n Puppm.

Und wie se a de Schule gingn,
do hieß es: „HĂ€ndl haaln!"
Sull 's Gustl senne Frooe warn,
doarf 's Pfutlgan ne fahln.

Sugoar de Huckst wurd schunn geploant.
„Woaas load mer ei fer GĂ€ste?
Und a de Kirche gih mer o!
Woaas ass mer zu dan Feste?

Tschuckloade, Plinsn und Kakau",
su spoanntn se de FĂ€dn.
„Und mit dr Kutsche wird gefoahrn!",
toat 's Gustl lautstoark rÀdn.

„lech heiroat dch oack, doaas de 's glei wesst",
fing 'ch Max oaa zu derhitzn,
„wenn iech mit ann Zylinderhutt
doarf uff'm Kutschbook sitzn!"

Dieter Messerschmidt, Eckartsberg

Kastlhuppm, Huppekastl: KĂ€stchenhĂŒpfen (Kinderspiel)
is Pfutlgan: das HĂ€ndchengeben
Tschuckloade: Schokolade

(Sächsische Zeitung - Zittauer Ausgabe, 03./04.06.2017)


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Muttersch Scheißerchl

Schmidts Vroni hoat dr Sturch besucht
und ann stroamm Jungn verbeigebrucht.
A jeder weeß, ba su enn Wichte
is zwischn Benn noa ne oalls dichte.

Su wie 'r duttlt 's Bullchl aus,
groad su leeft 's unne wieder naus.
Fer 'sch Vronl is doaas goar ne schlimm,
ihr Moatz hoat anne Windl drim.

Oack moichs Mol do steigt unverhufft,
aus dar a unoapoarter Duft.
De Mutter schnoappt 'ch do senne Beene
und macht sei Hindervirrtl reene.

Ihr FimfjÀhrcher is neuschierch nu
und guckt benn Wickln eftersch zu.
„Do koannst de sahn", soit se und lacht,
„woaas su Boalg fer Oarbeit macht.

Su sempfbeschmĂ€hrt und noaaß, mei Klaus,
su sohgst o du oas Baby aus."
„Nimm oack zun Fittern", soit dar Knilch,
„stoatts richtcher lieber Trockenmilch".

"Do brauchst de unsn Klenn dohiebm
ganz eefach oack noa oabzestiebm!"

Roland Rolle, Dittelsdorf

Scheißerchl: kleiner Scheißkerl
duttlt: trinkt
Bullchl: kleine Flasche
neuschierch: neugierig
sohgst: sahst
dohiebm: da, hier


(Sächsische Zeitung - Zittauer Ausgabe, 13./14.Mai 2017)


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Giftblatl

Mei Enklmaajdl wohnt a Poln
und giht durt o zer Schule.
Se weiste mir glei de Zensurn,
de kleene Renger, Jule.
„Kreiz Dunnerwater noa amol",
toat'ch mit dan Weibe frexn,
„doaas schlatt 'n Foaaß 'n Bodn aus,
zwee Fimfm und acht Sechsn!"
„lech bie de Beste, hirrschte du!",
dereschert'ch meine Kleene.
„An Poolschn is groad anderschrim
oas wie ba euch derheeme."
„A su, a su, du hoast ju raajcht!
Du krigst vu mir a Scheinl.
Do keefst dr anne Oarmbanduhr,
dr Rest, dar kimmt as Schweinl!"

Karin Renger, Spitzkunnersdorf, Neueibau

Giftblatl: Giftblatt, Zeugnis
frexn: schimpfen
dereschert'ch: echauffiert sich
an Poolschn: im Polnischen
Schweinl: Sparschwein

(Sächsische Zeitung - Zittauer Ausgabe, 25./26.02.2017)


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Dr ticksche Automat

Zer Elke a de Goallerie
do fuhr vergangn de Moni hie.
De Kunstloade stitt a dr Sitte,
lech dĂŒrft zu ann Besuche mitte.
Wu sullt mer oack is Autu lussn?
Do hoat de Monika beschlussn:
„lech war'sch ganz fix as Poarkhaus kutschn,
do koann's 'n Barg ne runderrutschn."
Nu soaß mer anne gude Stunde
acht Mannl a vergniegter Runde
ba Koaffee und ba Heidis Kuchn
und wÀrmtn'ch de derfrurnen Knuchn.
Mir sein a winngk zusoammgeruckt
und hoann'ch de Bilder oaageguckt,
die a dr Wand hingn, hoann uns oalln,
Su wuhr, wie'ch Helga heeß, gefoalln.
Und wie mer'ch wulltn heemzus machn,
- zun Guguck -, mir vergingn is Lachn,
De Moni stackte do, kreiz Miez,
de Koarte an verkahrtn Schliez,
as grĂŒĂŸe Looch, wu's Geld reikimmt,
woaas fer de Stoadtkoasse bestimmt.
Dr Automat, dar nimmt's vun Tutn
und goab's Billett ne aus'n Pfutn.
Ar schnoappte zu und klemmte's ei
ba oaller Zarr- und Zieherei.
De Koarte misst mer wiederkriegn,
sunst bleib mer a dr Sitte liegn.
Mer wulltn ne bis Uderz loofm
und oh ne undern Tunnl schlofm.
De meestn Leute, die mer froitn,
die gucktn'ch's oaa und soitn,
doaaß die do an Hotele wisstn,
de Nummer vu ann Spezialistn.
Mer wulltn groade lusmoarschiern,
do toat mer anne Stimme hiern,
die aus'n Automatn koam
und uns glei as Gebate nahm.
Zerletzt koam anne Froo verbei,
die guckte a dan Koastn rei
und zug de Koarte raus, roatzfoatz,
de Moni goab'r glei ann Schmoatz.
Und warm mer o bazeitn heem,
iech tu noa heut dervoonde treem.

Fer oalle, die deutsch rÀdn:

Und die Moral von der Geschicht':
Verwechsle Schlitze niemals nicht!

Helga Kreutziger, Oderwitz

(Sächsische Zeitung - Zittauer Ausgabe, 04./05.02.2016)


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De Hihnerpest

Dr Fuchs, dar is oack a Gerippe,
zun Teifl mit dar Voglgrippe!
De Menschn assn oack is Beste
und jerr krigt nischt zun Heelchn Feste.

Is Fadervieh, doaas doarf ne raus,
sitzt eeboarmch oack an Hihnerhaus.
Und Reineke? Ihr ward 's derrotn,
krigt reene nischt vun Festtagsbrotn.

Ar hoat nischt mih Geschoits an Bittche
is grÀtch und schlaajcht gelaunt zu Mittche.
Kee Ganserch, Entl, Gauderhoahn,
'n Fuchs an Busche truppt dr Zoahn.

Uff eemol fÀllt 's dan Rutn ei:
„Foasoan und Rabhenn labm frei.
Do war 'ch miech uff de Suckn machn,
ihr Vogl, ihr hoat nischt zu lachn."

Wu is doaas dichtsche Viehzeug hie?
Zun Geier oack, doaas gibbt 's ni mih!
Drum tutt mer ne 'n Fuchs vergassn!
Sunst muss dar Oarme MĂ€use frassn.

Dieter Messerschmidt, Eckartsberg

jerr: jener
Bitten: Bauch
grĂ€tch: giftig, verdrießlich, bösartig
Gauderhoahn: Truthahn 'n
Rutn: Rotfuchs
Rabhenne: Rebhuhn
doaas dichtsche: dieses


(Sächsische Zeitung - Zittauer Ausgabe, 31.12.2016./01.01.2017)


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Oabgeschriebm?

An Blatl hoann se itz geschriebm,
mer wärn dohie zerickgebliebm,
is tät 'ch ne luhn, ne im 's Verreckn,
a unse Heemt woaas reizusteckn.

Und blooe Steene sein kee Guld,
dr Teifl, dar hoat 's Geld gehullt.
De Leute loofm oack dervoo,
denn 's is kee Auskumm ne mih do.

A unse Ecke investiern?
Do koann mer oalls derbei verliern.
Dr Stoaat sull lieber durthie gan,
wu schunn woaas Grußoartches zu sahn.

Gatt's oack noa Leipzch und gatt's noa Drasn,
do is schunn immer vill gewasn.
De Leute do, die miegn 'ch kimmern,
mer koann 's ja ne mih irscht verschlimmern.

Oan bestn is, se wandern aus,
do sein mer aus 'n Schneider raus.
War uff 'm Durf wohnt, dar schlÀft ei,
de Stoaadt verreckt su nabmbei.

Und ganz „Geschoite", die sahn 's su:
Oack furt dermitte, do is Ruh.
lech aber denke vuler Wut:
„Mer sein 'r lange noa ne tut!"

An Suppermoarchte sist de 's wimmln,
de Bimmlboahne hirrscht de bimmln,
de Autos uff dr Stroße brumm.
Kreiz Miez, war sull do rieber kumm?

Wenn 'ch su an Stroßnrande glucke
und dicke Luft und Meller schlucke,
sein mer noa lange ne verschutt,
mer hoann de Spraa, und doaas is gutt.

Wie de Berlinschn do druf spitzn!
- Se wulln ne uff 'm Troign sitzn.

Helga Kreutziger, Oderwitz
Blatl: Tageblatt, Zeitung
Heemt: Heimat
blooe Steene: blaue Steine (Phonolit, Basalt)
gan: geben
gatt 's: gebt es
Meller: Rauch
Spraa: Spree
de Berlinschn: die Berliner

(Sächsische Zeitung - Zittauer Ausgabe, 13./14.08.2016)


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Winngk Zeit

War gleebt, de Rentner, die hoann Zeit,
ba dan koann's ne ganz stimm.
Mol mahrt ees do, mol mahrt ees durt,
schunn is dr Virrmittch rim.

Dr Noamittch, dar noa'n Ruhgn kimmt,
a dan is ne vill droaa.
Irscht schlirf mer Koaffeetunke rei,
dernoochermd pack mer'sch oaa.

Mei Moan, dar schauflt garne Schnie,
is luhnt'ch noa goar ne richtch.
lech haal de Gusche und soi nischt,
fer dan is doaas do wichtch.

Jeds Brinkl wird zusoammgekoahrt,
mer sitt ju schunn 'n Dreck.
Ba dan woarm Liftl toot dr Schnie
vu ganz oalleene weg.

Gisela Grohmann, Eibau

winngk: wenig
Virrmittch: Vormittag
Noamittch: Nachmittag
ruhgn: ruhen
dernoochermd: danach
Brinkl: Bröckchen, Flöckchen
Liftl: LĂŒftchen, Wind

(Sächsische Zeitung - Zittauer Ausgabe 05./06.03.2016)


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Ganze Abern

lech hoa meine Frooe garne,
denn se lÀt mer jedn Mittch
su woaas Schienes uffm Taller,
woaas fersch Ooge, woaas fern Bittch.

Froit miech amol meine Gude,
woaas 'ch wellt uffm Tiesche sahn,
soi 'ch 'r: „Mach oack ganze Abern,
die hoat 's lange ne gegan".

lech loof runder glei zer Kiste
kumm derno mit Brotharch heem,
's Woasser leeft zusoamm an Maule
'ch tu schunn moanchmol dervoo treem.

DrÀhst diech eemol rim an Naaste,
is de Wuche wieder rim.
Gab 's do keene ganzn Abern,
's wÀre doa ganz imbÀndch schlimm.

Und ann Boatzn Zwibblquoark
LeinÀle muss o derzu.
Koann 's denn noa woaas Bessersch gan?
Nee, wie is mei BĂ€uchl frĂŒh.

Ganze Abern, ann Klecks Butter
und ann Fatzn Laberwurscht,
sauer Gurkn ne vergassn
und ann klenn Schlungk noa fer 'n Durscht.

Eimoarniertn Harch zu Mittche,
do luss 'ch jedn Brotn stihn.
Und derzu de mahlchn Abern,
su woaas luss 'ch mer ne atgihn!

Ganze Abern sein mei Labm
'ch will ne egoal Fleesch oack sahn.
's kennt sugoar ann Feiertagen
amol ganze Abern gan.

JĂŒrgen Glathe, Oderwitz

ganze Abern: Pellkartoffeln
Bittch: Bauch
Kiste: In Oderwitz gebrĂ€uchliche KĂŒrzung des Namens „Kistenmacher". Ein real existierendes Fisch- und GemĂŒsegeschĂ€ft, heute allerdings offiziell unter anderem Namen.
Brotharch: Brathering
imbÀndch: unbÀndig, sehr
Zwibblquoark: Zwiebelquark
Schlungk: Schlund, Schluck
eimoarnierter Harch: marinierter Hering


(Sächsische Zeitung - Zittauer Ausgabe, 13./14.02.2016)


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Vill Pilze

Hans: Tag, Gerd, vurns hoa'ch as Tageblatl reigeguckt. Du bist ju a dr Zeitung hinne mit ann Kurb vuler Pilze. Wie kimmst denn?

Gerd: lech wullde o amol as Blatl. Ne oack immer Du und de Merkln. Und do hoa'ch benn Zeitungsleutn oaagerufft und gesoit, ich hĂ€tte zwanzch Pfund Pilze an Gebirge gefunn und doaas a dreißch Minutn. Und do hoann se glei ann Futegroafm verbeigeschickt und mich mitsoamtchn Pilzn oabgenumm.

Hans: Is denn doaas de Menschnmeeglchkeet! lech bie o gestern an Buhsch gewast und hoa oack a eenzches vermuckertes Braunheetl gefunn. Und doaas woar o noa moadch!

Gerd: Do hoast is wieder! Woaas nitzn enn die grußn Oogn, wenn de Tumoatn druffe hoast.

Hans: Du willst mer doa ne eirĂ€dn, doaaß de ba dar dichn Troigcht su vill Pilze gefunn hoast? Wenn de ann Furz lĂ€sst, brennt dr Buhsch. Doaas koannst de enn derzĂ€hln, dar'ch de Hosn mit dr Beißzange oaazoigt! Wesst de, woas mer machn? Du krigst vu mir a rutbraunes Scheinl und du weist mer de Fleckl, wu de Pilze stihn.

Gerd: Glei?

Hans: Glei!

Gerd: Wenn's su is, muss'ch Foarbe bekenn, lech hoa ne ann eenzchn Pilz gefunn. Do bie'ch uff'm Polnmoarcht gefoahrn und hoa mer zahne gekooft.

Hans: Oack zahne? 's woarrn doa su vill an Kirbl.

Gerd: Drunder woarrn'r lauter Toannzoappm.

Hans: Su a Liegeboajttl bist de. Doaas hÀtt'ch vu dir ne geducht. Mer machn's imverdrÀht. Du gibbst mir a rutbraunes Scheinl und iech haal de Gusche.

Hans Klecker, Obercunnersdorf, Zittau

vurns: vorhin
Tageblatl: Tageblatt, Tageszeitung
oabgenumm: fotografiert
Braunheetl: Marone
ba dar dichn Troigtch: bei dieser Trockenheit
Liegeboajttl: LĂŒgner
imverdrÀht:umgedreht, umgekehrt, andersrum


(Sächsische Zeitung - Zittauer Ausgabe, 17./18.10.2015)


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A billches Oaagebot

's woar noa sihre frih itz an Montche, noa ne amol achte, do stoand doa mei Myrtnsteckl schunn fix und fartch oaageschuslt haußn ver dr Tiere.
„Wu willst de denn im die Zeit schunn hie, im Himmls Willn?", su toat 'ch se froin.
Groade wie a bissl grĂ€tch goab se mer Bescheed, iech misste abm o amol as Rekloameblatl guckn, dr Koaffee war heute su billch wie lange ne mih. Und weil mer baale kenn mih derheeme an Schranke hĂ€ttn, do misst se glei lus. A bissl pfeckch goab 'ch 'r zericke, se mechte ne su rimpoampern und gruß as Braaschn kumm, sunst war 'r amende schunn oalle.
Noa baale drei Stunn woar se derno wieder heem, zusamm mit a poaar irrch grußn Huckn. „Guck amol", su meente se, „woas 'ch do itze dergoattert hoa". Und se fing glei oaa, oalls auszupackn.
Anne blooe Strumpjacke , an schwoarzn Kließlroaffer, a klee Flaschl mit woaas zun Eidiesln hinne, zwee Poaar Schicher, rut und geschippert, fer'n Sunntch anne Weste mit guldchn Starnln druffe, a Mitzl mit ann Pelzl zengsrim und a Zahnerpaketl Schlipper.
Und oalls war ju su billch gewast, zusoamm groad amol a klee brinkl ieber hundertfuffzch Piepm.
Iech beguckte mer de Bescherche und meente oack: „Und wu hoast de denn 'n Koaffee?"
„Oach, waajgn dan war 'sch ne su wichtch, fer murne frih tĂ€t 'r schunn noa reechn!"

JĂŒrgen Glathe, Oderwitz

oaageschuslt: (unvorteilhaft) angezogen
grÀtch: giftig wie eine Kröte
pfeckch: schnippisch, kurz angebunden
amende: am Ende, vielleicht
irrch: irre, sehr
Strumpjacke: Strickjacke


(Sächsische Zeitung - Zittauer Ausgabe, 22./23.08.2015)


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A dummer Hund

Oach, is doaas anne goarschtsche Zeit,
gemaust wird egoalfurt.
A jeder brauch ann biesn Hund
und unser, dar heeßt Kurt.

Oack Ufpoassn is ni sei Dingk,
do hoat'r seine Muckn.
Ar kullert'ch uff'm Bleechploan rim
mit Voatersch gudn Suckn.

Ar frÀt'ch, wenn ar'ch woaas schnoappm koann,
do stiern o keene Goaffer.
Ar stiebt sugoar zun Nubber rim
mit Muttersch Kließlroaffer.

Ar hoat o's Kochbichl derwischt
und ludermĂ€ĂŸch zerfladert.
Und weil a Haufm Seitn fahlt,
do guck mer wie geradert.

Und woaas vu Fleesch an Bichl stoand,
zerpfluckt leit's hinner'n Schuppm.
Woaas hoann mer'ch do oack ufgehoalst?
Nu kinn mer oack noa suppm.

Dieter Messerschmidt, Eckartsberg

goarschtsch: garstig, schlecht;
frÀt'ch: freut sich;
stiebt'r: saust er, wirbelt er;
Kließlroaffer: BĂŒstenhalter;
zerfladert: flatterig, eingerissen, aus dem Leim gegangen;
geradert: gerÀdert, genervt, entkrÀftet;
zerpfluckt: zerpflĂŒckt, in einzelne StĂŒcke zerrissen

(Sächsische Zeitung - Zittauer Ausgabe, 22./23.11.2014)


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Keene Kuhploapperche mih

'n Fleescher gitt is Rindfleesch aus
fer Wurscht und Sauerbrotn.
Is Trinkn vu ann Tippl Milch
wird baale o verbotn.

De Wissnschoaft hoat rausgekrigt,
de Kihe keeln an Groase,
se furzn und se rilpsn rim,
und raus kumm giftche Goase.

De Kuhmuhzl warn oabgeschoafft,
die hoann zu lange DĂ€rmer,
und oalle Luft muss abm raus,
dermit wird's immer wÀrmer.

Wenn's wieder grußes Woaaser gibbt,
wenn's fahlt a Raajn und Schnie-e,
gibbt's zu vill Fliegn, war hoat Schuld?
Nu war schunn! - De dumm Kihe.

Is Oallerirrchste aber is
dr Ploapperch uff dr Wiese,
wenn woaas dervoo as Woasser kimmt,
wird's fer de Babys biese.

Woaas a geschoiter Bauer is,
lĂ€sst'ch dodermit ne schmeißn.
A windlt seine Kuhe ei,
nu doarf se wieder sch...

Hans Klecker, Obercunnersdorf, Zittau

Kuhploapperch: Kuhfladen
keeln: kÀuen wieder
Kuhmuhzl: kindlich fĂŒr KĂŒhe
grußes Woasser: Hochwasser
is Oallerirrchste: das VerrĂŒckteste
dervoo: davon, von dem

(Sächsische Zeitung - Zittauer Ausgabe, 21.10.2014)


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Dr Schulwaajg - friher und itze

Wie iech a klenner Steppl woar,
ging 's zeitch schunn aus 'n Haus
zun Lehrern a de Schule hie,
's woar a eenzcher Graus.

Vun Montche bis zun Simmde ging 's
oan zeitchn Murgn lus,
geschoafft, do hoat uns kenner ne.
„Gatt Achtche, ihr seid gruß!"

De Mutter toat de Schnittn schmÀhrn
mit Quark fer unse Hickl.
Is goab ann Kloaps uff 's Hinderteel:
„Vergasst oack ne de Rickl!"

Nu schlußt mer lus, 's woar hichste Zeit,
de Strimpe toatn kroatzn,
de Strumphaalter, die gucktn raus.
Woaas frurn mer a de Toatzn!

De reenstn Saajgebiegl woarrn 's,
die dichn Frihsticksbrutl.
Woaas Bessersch hoatte kenner ne,
und kees verzug is Schnutl.

Doa heemzu, do woar wieder nischt
mit Autoe und Busse,
mer schlenkertn und paschltn
as HĂ€usl heem zu Fusse.

Doa heut is doaas a ander Dingk,
die Zeitn sein verbei,
uff 's Loofm bis zer Schule hie
lÀsst 'ch kenner mih druf ei.

Se sahn geleckt wie Katzl aus,
de liebm, sissn Klenn,
oack Neumodsches wird oaagezoin,
is missn „Marken" senn.

Bazeitn stitt is Auto do,
dr Voater, dar lÀsst bittn,
und gibbt senn Klenn o noa is Geld
fer Cola und fer Fritten.

Ganz gÀlche fÀhrt 'r derno lus,
und tutt sei Ringl ziehn,
und weil dr Suhn ne loofm will,
mecht 's bis zer Tiere gihn.

Oack gutt, doaaß die ne breeter is,
sunst ging de Roaserei
'n Gangk ahinder und zerletzt
as Kloassnzimmer rei.

De grußn Koarrn verstuppm oalls,
de Eifoahrtn, de Stroße.
A andersch, doaas kimmt ne mih durch,
oack waajgn dar fauln Blose.

„Is Handy!", gaukst dr Voater uf
und soit mit schwerer Zunge:
„Doaas leit derheeme uff 'm Tiesch,
nee, unser oarmer Junge!"

JĂŒrgen Glathe, Oderwitz

gatt Achtche: gebt Obacht
Hickl: kleine Hucke, Einbindtuch
Rickl: Jacke
schlußt mer: rannten wir gedankenlos und undiszipliniert
Saajgebiegl: SĂ€gebĂŒgel, gebogener Gegenstand
die dichn: diese
paschltn: gingen langsam, schlamperten
gÀlche: jÀhe, plötzlich
Blose: Blase, (freche) Kinderschar
gaukst: brĂŒllt
leit: liegt
(Quelle: Sächsische Zeitung - Zittauer Ausgabe -
30./31. August 2014)


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De KrÀuterkur

KrÀutermoarcht is heut an Kluster,
do muss o de Selma hie,
woaas de Frooe is vu Schustern,
jenn tun oalle Knuchn wih.

SchmÀhre sull se vun Moarcht mitbrengn
oder HeelkrÀuter zun BÀhn.
Ar wellt wieder rann und huppm
und koann'ch itze kaum noa drÀhn.

Se durchkromert oalle StÀnde,
guckt'ch is Kroattschzeug eegn oaa.
Oalls begroabscht se, oalls befuhlt se,
kreiz noa mo, und schnobert droaa.

Find se doa a enner Bude
anne „Mischung"! Und se nimmt
glei zwee PĂ€ckl, doaaß ihr Kraajglch
wieder uff de Pfutn kimmt.

Wie se mit dan Tittln heemkimmt,
tutt dr Aale o schnunn knurrn,
oack ne lange, denn do list'r
woaas vu anner Bulle Kurn.

Fix vermengt'r Schnoaps und KrÀuter.
Do koann oack de Frooe soan:
„Nu kurier dr dei GerĂ€nze,
schmÀhr dch vu hinne, lieber Moan."

Uff de dichtsche Oarzenei do,
is mei Schuster ganz verpicht.
Ar huppt wieder wie a Froosch rim,
nischt gibbt's mih, woaas knackst und sticht!

Dieter Messerschmidt, Eckartsberg

jenn: jenem;
bÀhn: durch feuchte WÀrme heilen;
Kroattschzeug: KrÀuter, Unkraut, Pflanzen;
eegn: genau;
schnobert: schnuppert, riecht;
Kraajglch: unbeholfene Person, die schlecht gehen kann;
Tittl: kleine TĂŒten;
soan: sagen;
GerÀnze: Körper, Leib;
schmÀhr dch: schmiere dich;
dichtsche: diese;
verpicht: erpicht, gierig, besessen

(Sächsische Zeitung - Zittauer Ausgabe - 17./18. Mai 2014)


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Koarpmschlachtn

Is neue Juhr stiht ver dr Tiere,
do meent dr Klaus zu senner Froo:
„Mer assn doaasmol keene Niere,
Silvester machst di Koarpm bloo."

Di Koarpe, die 'r keeft an Loadn,
wird a di Woanne neigeschutt.
Si sull an Woasser schwimm und boadn,
dermit 'ch dr Schloammgeschmaak vertutt.

Drei Tage schwimmt si a dr Woanne
und schesst su moanche lange Wurscht,
do meent di Hilde zu ihm Moanne:
„Mer boadn an neun Juhre urscht!"

Zun Mittsche giht dr Moan as Bette,
di Hilde lÀt 'ch 's Rezept poaroat
und nimmt derno, - dr Teifl hÀtte -,
a Masser raus und schleicht as Boad.

Si krigt di Koarpe o zu foassn,
doa die is klitscherch, gloat und noaaß.
„Miech schlachtn? - Doaas kennt dir su poassn",
su denkt 'ch dr Fiesch, „iech mitz dr woaas!"

Di Koarpe huppt an huchn Bogn
vun Tische a de Woanne rei.
Di Hilde, die macht grĂŒĂŸe Oogn
und guckt derbust as Koachbuch nei.

Si macht oalls groadsu wie an Bichl
und lÀt 'ch 'n Fleeschklupper zeraajcht.
Si nimmt a troiges Frutteetichl
und soat zun Fisch: „Itz giht der 'sch schlaajcht!"

Di Koarpe sitt dan hilzern Klupper
und denkt: „Kreiz Tobak, itz wird 's schlimm",
schnellt a de Hihe, macht ann Hupper
und tschundert a dr Kiche rim.

Di Hilde wetzt glei a di Koammer,
verbust, weil si ni wetter weeß,
und kloat ihm Aaln dan ganzn Joammer
und macht 'n irrch di Helle heeß.

Dr Aale tutt 'ch ann Eemer schnoappm
und fÀngt di Koarpe wieder ei,
tutt groadezu zun Teiche soappm,
a Schwoaps, schunn is dr Droaasch verbei.

Dieter Messerschmidt, Eckartsberg

de Koarpe: der Karpfen
iech mitz dr woaas: ich pfeif dir was
schnellt: beschleunigt sich, springt
derbust, verbust: erzĂŒrnt, Ă€rgerlich
lÀt 'ch 'n: legt sich den
hilzerner Klupper: Holzhammer, Fleischklopfer
schnellt: bewegt sich mit Schnellkraft, springt
tschundert: schindert, rutscht
kloat: klagt
irrch: irre, sehr
soappm: bedÀchtig und schwerfÀllig gehen
Schwoaps: das SchĂŒtten einer kleines FlĂŒssigkeitsmenge
Droaaseh: Aufregung, Eile, Zank

(Sächsische Zeitung - Zittauer Ausgabe vom 28.12.2013)


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Kee guder Rot

A guder Nubber hoat ver Juhrn seine Hoanne, die schunn ebch seine Frooe woar, verlurn.
„Nee", meent 'r naajchtn, „mir gitt 's guttsderbĂ€rmtlch. De Murgnsuppe muss 'ch oalleene reischlurfm. Kees koacht mer mih anne Guttschmecke. Ees kimmt ju ne mih imaringk und iech kumm o nerne mih hie."
Ar toat miech urndlch derboarm. „Nu", soit 'ch ieber 'n, „versuch 's oack amol mit dr Hauke Gretl, die is su eespĂ€nnch wie du."
0 Jemersch, do hutt 'ch woaas gesoit, ar wurde glei Àrschlch.
„Die dichtche wellst mer rotn? Nee, die is mer zu liederlich. Ba dar koannst de ver 'n Fußbodn assn, do findst de immer woaas und brauchst ne hungern."

Gisela Grohmann, Eibau
naajchtn: gestern Abend, neulich
imaringk: rundherum
nerne: nirgends
eespÀnnch: einspÀnnig, ohne Partner
Àrschlch: verkehrt, Àrgerlich
die dichtche: diese da
(Quelle: SĂ€chsische Zeitung, Ausgabe Zittau)


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Dr Reenemacher

Dr Schroamm Paul und sei Nubber Krause,
die sitzn noamittch hindern Hause
gemittlch uff dr Summerbank,
und woaas mei Paul is, dar fuhlt'ch krank.
A kÀut uff dr Zitrone rim
und denkt: „Do wird's ne goar su schlimm."
„Nu sieh oack har, du zutscht Zitrone?
Doaas saure Zeug is ne ganz ohne,
woaas sull'n doaas, mei lieber Schroamm?
Mir zoigt's schunn oalle Lecher zoamm."
„Nu aber, merk dr oack doaas eene:
Zitrone macht'n 'Körper' reene."
„Is wuhr", froit Krause, „und doaas stimmt?
lech, Äsl, boad miech jedn Simmd!"

Hans-Rainer Hensel, Friedersdorf
kÀut: kaut;
zoigt's: zieht es;
Äsl: Esel

(Quelle: SĂ€chsische Zeitung, Ausgabe Zittau)


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Ze spÀte

„Mei Junge", wiehert Woajnersch Ruth,
„doas Schissn, doaas verdrahte,
iech arger miech noa ieber'n tut,
dar kimmt, ba oalln, ze spÀte.
Wenn's heeßt: „Hul oack de Mutter oab,
die is an SchrÀbergoartn!",
benn Suhne wird de Zeit ze knoapp,
de Mutter, die muss woartn.
Su gitt doaas nu a err Tur furt,
's is eefach kee Verluhß,
und soit ees doa amol a Wurt,
gibbt's mehrschtnteels Verdruhß.
Uff eemol braascht de Woajnern laut
an ganzn Durfe rim,
ihr Suhn, dar hÀtte anne Braut,
itz wird doaas Dingk irscht schlimm.
„0 jemersch, doaas weeß'ch itze schunn",
su hoat's'n Jungn zerschussn,
„du wirscht zer Traut ze spĂ€te kumm,
do kinn mer'ch druf verlussn."
Do lacht dr Suhn, die HaglsgrÀte:
„Iech bie, wie'ch abm bie, -
zu dar kumm'ch zeitch genungk ze spÀte,
miech Àndert kenner mih!"

Hannelore Geppert, Lawalde - Lauba

wichert: wehklagt, jammert
Woajnersch: Wagners
a err Tur: in einer Tour, andauernd
braascht: erzÀhlt langatmig, klatscht
Traut: Trauung
HaglsgrÀte: Hagelskröte
genungk: genug
(Sächsische Zeitung - Zittauer Ausgabe)


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Durch 's Kallerfanster

Is stieg amol dr Voater Hurn
de Letter ruff und pfluckte Birn!
Und Klaus, sei Suhn, toat unne sitzn
und ungeduldch uff 's „Fallobst" spitzn.
Und wenn'r o verfrassn guckte,
dr Voater lachte oack und pfluckte.
A ließ ne eene Birne fliegn,
is woar zun junge Hunde kriegn,
und hutt de Birn zun neckschn Pussn
an Kaller derno eigeschlussn.
„De Kallertiere, die is zu",
su ducht dr Junge, „woaas 'n nu?"
Do koam 'n dr Gedanke ei:
„Du kroajchst zun Kallerfanster rei."
A kruhch durch 's Looch und mit vill Zunder
gingk 's uff 'm Kohln an Kaller runder.
A stellt 'ch zun Hirdl anne Stunde
und froaß, woaas ees oack frassn kunnde.
A hirrte 's a dr Woampe knoattern
und fĂŒhlte o a Hosnfloattern.
Do wullt 'r keene Zeit verliern,
kruhch ruff zun Fanster uff oalln viern
und stackt 'n Kupp zun Luche raus,
de Brust gingk durch, derno woar 'sch aus.
Avier ging 's ne und ne zerricke,
de Woampe, die woar vill zu dicke.
A hutt gerankert und 'ch verrenkt,
geblÀkt, blieb aber eigezwÀngt.
De Nubbern hirrtn doaas Geboarme
und se dergriffm seine Oarme
und schirgtn, neetertn und zugen
su feste, doaaß de Fatzn flugn.
Und huttn se 'n o bluttch gescheuert,
dr Mausedieb blieb eigemÀuert.
'n Nubbern toat dar Karle leed,
se goabm Voater Hurn Bescheed
Dar aber gingk mit anner Rutte
an Kaller und verdruhsch die Butte.
„lech war dr schunn de Kulbe lausn,
War hoat 'ch geheeßn, Birn zu mausn?"
Uff eemol misst dar Frasssaak blosn,
und 's Birnkumputt gingk a de Hosn.
Nu woar de Woampe ne mih dicke,
und 's Jungsl rutschte a klee Sticke.
Dr Schmied, dar zug 'n endlch raus.
Woaas machte dar verfrassne Klaus?
A gingk zu Nubbersch Louis rieber
und lachte: „Wesst de woaas, mei Lieber?
lech maus oack eure Birn noa", broanzt 'r,
„ihr hoat a grisser Kallerfanster!"

Hans Klecker, Obercunnersdorf, Zittau

Letter: Leiter;
unne: unten;
zun Pussn: aus Schabernack, gegen den Willen (seinesSohnes);
kroajchst: kriechst;
Hurdl: kleine Horde, Holzlattengestell;
avier: nach vorn;
gerankert: gerĂŒttelt, mit Gewalt bewegt;
eigezwÀngt: eingeklemmt;
schirgtn: schoben; neetertn: zerrten hin und her;
de Kulbe lausn: den Schopf beuteln, den Kolben (Kopf) waschen

(Sächsische Zeitung - Zittauer Ausgabe vom 18.10.2013)


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Pilzfieber

lech wellde a de Pilze ginn,
oack do heeßt 's abm zeitch ufstihn.
Und mir zun Schure gitt mei Nubber
schunn zwee Stunn iher uff 'm Kupper.
Ar weeß de Fleckl, wu se stihn
und tutt o keemol lÀr ausgihn.
„lech hier se wachsn", soit 'r mir,
oack iech hoa kee su gutt Gehier.
Dar is ju o richtch pilzefieberch,
do bleibt fer miech, weeß Gutt, nischt ieberch.
Nu luss 'ch dan dichn Gotl loofm,
iech war derweile wetterschlofm.
De Pilze, die 'ch ann Troom tu sahn,
die koann mer ne dr Nubber nahm.

Gisela Grohmann, Eibau

zun Schure: zum Possen
Nubber: Nachbar
iher: eher
Kupper: Kottmar (Berg)
pilzefieberch: fiebrig, kibbelig auf Pilze
Gotl: Gottlob, Gottlieb, seltsamer Mensch

(Quelle: SĂ€chsishce Zeitung, Ausgabe Zittau 10/2013)


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Fer de HĂ€nde

`N LĂ€hrer a dr irschtn Kloasse,
kimmt 's kaale Water gutt zupoasse.
und sumit froit 'r glei de Kinder:
„Was zieht man an im kalten Winter?"
Dr kleene Max, dar nennt de Mitze,
de Schaultichl kennt Rieslersch Fritze.
De kleene Mia tutt ne zuckn
und plauzt derzwischn: „Dicke Suckn!"
De Lena, die verrickte Schosn,
kennt Voatersch lange Underhosn.
Dr Paul soit und tutt ne grĂŒĂŸ drucksn:
„De Oma, die hoat Schofwullbuchsn!"
De RĂ€de is vu Hemm und Reckin,
vu Schichern, Rickin und o JĂ€ckln.
„Was hĂ€lt die HĂ€nde warm, die Finger,
wer nennt mir diese beiden Dinger?"
Do meld 'ch dr kleene Moarschner Ben:
„Doaas warrn de Hosntoaschn senn!"

Hans Klecker, Obercunnersdorf, Zittau

Schaultichl: Schal;
Schofwullbuchsn: dicke Schafwollunterhosen;
vu Hemm: von Hemden;
Schicher: Schuhe;
Rickl: Jacke, Mantel, Joppe

(Quelle: SĂ€chsishce Zeitung, Ausgabe Zittau 02/2012)


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Anne Krautfuhre

'S muchte glei nooch'n Kriege gewast sein, 'S woar a dr schlaajchtn Zeit, wu's noa ne vill zu assn goab. Vu menn Voater dr Schwoger hutte anne Daachdeckerei iebernumm. Fer a woarmes Assn toatn se beede bann Bauern de Dächl a bissl zusoammflickn. Moanchmol goabm de Bauern o a poaar Abern mitte. Eemol krigte dr Voater sugoar ann Saakvll Weißkraut, doaas mer sauer machn wulltn. Nu misst mer mit 'n Letterwanl irscht vier Kilometer loofm, im's Kraut zu hulln. 'N ganzn Waajg ging 's barguff, doderwaajgn kunnt 'ch miech ne as Wanl setzn und misste nabmhar loaatschn, woaas menn klenn Kinderbeenln goar ne gutt toat.
Uff heemzu sullt 's a bissl gemietlcher zugihn. Dr Saak loag hibsch drinne an Wanl. De Stroße woar an Schusse, und 's lief ja o a bissl bargunner. Und mir beedn soatzn'ch, - mir nischt, dir nischt -, ubmdruff. Dr Voater noahm de Deichsl zwischn de Fisse, und iech fläzte miech ärschlch rim uff 'm Saak. Oach, woar doaas anne Freede! Anu kunntn 'ch de miedn Beene a bissl ausruhn. Su hätt's kinn ginn bis heem. Aber 's Wanl koam mit sachtn a Foahrt. Nu ja, oa uns ausgehungert Hamflchn wird 's ne gelan hoann, aber is Kraut hutte ja sei Gewicht. Winngstns ging's nu immer schneller, und de Gemietlchkeet wurde baale ungemietlch. Dr Voater bläkte, iech selte runnerhuppm und eihaaln. Aber iech soahs ju imverkährt druffe, noa derzu hutt'ch an Spurte su wie su immer oack de Viere. Mittlerweile hutt mer anne ganz schiene Schwirre druff.

De Radl und de Unnnerlenkche vun Wanl woarrn o schunn ausgenuddlt. Nu schlug unser Fuhrwark o noa Hok'n. Immer rieber und nieber ging's. Do hutte dr Chauffeur ganz schiene zu tun, doaaß de Fuhre ne imschmieß. Hätt mer domols schunn sieche schoarfe Pulezeier gehoat, iech gloobe, die hättn uns glei dreimol blosn lussn, die hättn geducht, doaas giht a eene Titte goarne nei.
Uff eemol koam uns a grußer Loaster a de Quare. Woaas'n nu? Sullt mer 'ch erne ieberfoahrn lussn? Mei Voater, woaas dr Foahrer woar, nutzte groad ann Linksschlenkerch und lenkte unser Wanl an Buhsch nei. De Deichsl verspickte sich und zerbroach. Dr Stumpl dodervoo schlug 'n Voater sihre furrsch as Been. Iech machte ann ricklchn Purzlboom ieber'n Voater drieberweg und landete an Gestrippe. Vill Fleesch zun Oabpulstern hutt'ch ne uff 'm Knuchn, aber heele woarrn se gebliebm.
„Lützows wilde verwegene Jagd' is goar nischt", muchte mei Voater denkn und flickte mit ann Bändl nutdirftch de Deichsl zusoamm. Anu hieß is: Loofm. Dr Voater misst'ch bickn waajn dr kurzn Deichsl. Iech loaatschte mit menner lädierte Loaffe hinnerhar und misste moanchmol irrch eihemm.

Aber de Krautheetl hoann mer gutt heemgebrucht, und's Sauerkraut woar a Genissl.

Dieter Messerschmidt, Eckartsberg
(Sächsische Zeitung - Zittauer Ausgabe vom 15.10.2011)

Saakvll: Sackvoll;
Letterwanl, -waajnl: Handleiterwagen;
doderwaajgn: deshalb;
ärschlch: verkehrt, nach hinten gewandt;
Hamflch: Hänfling, schmächtige Person;
eihaaln; eihemm: bremsen;
imverkährt: verkehrt herum;
Unnerlenkche: Lenkung eines Leiterwagens;
Linksschlenkerch: Schleuderbewegung nach links;
ricklchn Purzlboom: Rückwärtssalto;
Loaffe: Gesicht; irrch: irre, sehr;
Krautheetl: Krautköpfe


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Kee Viechzeug

Woaas meine gruße Schwaster is,
die tutt kee Viechzeug miegn,
ebb Koatzn, MĂ€use oder Spinn,
ebb Schneckn oder Fliegn.

Oack wenn ihr Karl se „Schneckl“ rufft,
“mei’ Miezl“ oder „MĂ€usl“,
do hoat se’s mit’n Viechern wichtch,
do is se aus’n HĂ€usl.

Und breng’ch poaar weiße MĂ€use mit,
ann Hund und anne Koatze,
do quiek se, huppt as Bette nei
und schnedd mer anne Froatze.

Und die soit „dumme Goans“ zu mir,
iech hÀtte anne Meese,
o „giftsche GrĂ€te“, „aale Kuh“,
iech wĂ€r wie anne „Schmeeße“!

Iech ga’n Miezekatzl Milch,
’n Hihnervulke Frassn
und hoa kenn eenzchn Winter ne
de Piepmatzl vergassn.

De Mutter soit, dr Kloappersturch,
dar kĂ€m zu unser Grußn,
wu meine Schwaster ne amol
ann Wellnsittch koann verknusn!

De Mutter wird’ch wull woas vermahrn,
dr Sturch is doa kee Dummer.
Nu nee, dar kimmt gewieß zu mir,
iech huffe, uff’m Summer.

            Hans Klecker